Auf der Agenda
Schweizer Berichtssaison
Kommende Woche rapportieren unter anderem der Industriekonzern ABB, der Logistiker Kühne + Nagel sowie der Bankensoftware-Hersteller Temenos zum Geschäftslauf im ersten Quartal.
Die Börsianer blicken zunehmend über den Iran-Krieg hinweg. Zugleich rückt die Berichtssaison in den Fokus. Entsprechend tendieren die Aktienkurse über weite Strecken höher, der amerikanische Markt klettert gar auf ein Allzeithöchst.
17.04.2026
Die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran am vergangenen Wochenende verliefen ergebnislos. Als Folge dessen initiierte Donald Trump seinerseits eine Blockade der Strasse von Hormus. Der US-Präsident will so dem Mullah-Regime den Geldhahn zudrehen und es zu Zugeständnissen drängen. Allerdings bewirkt er zugleich eine weitere Verknappung des weltweiten Ölangebots, was kurzzeitig die Notierungen des schwarzen Goldes und die Nervosität unter den Anlegerinnen und Anlegern befeuerte. Im Wochenverlauf obsiegte aber die Hoffnung auf eine baldige Verhandlungslösung. Dazu beigetragen hat die Meldung aus Washington von einer weiteren Gesprächsrunde mit Teheran. Zugleich rückt mit der Berichtssaison der Fokus vieler Börsianer weg von der Geopolitik hin zu den Unternehmensdaten. Entsprechend setzten die Aktienmärkte ihre Erholung fort. In Übersee gelang es dem breiten S&P 500 Index wie auch der Technologiebörse Nasdaq, ihre Kriegsdellen wettzumachen und ein Rekordhoch zu markieren.
Der Baustoffspezialist Sika ist verhalten ins Jahr 2026 gestartet. Die lahmende Baukonjunktur und der starke Franken drückten beim Baustoffspezialisten Sika den Umsatz um 7%. Da der Zahlenkranz aber besser ausfiel als von den Analysten erwartet, legte die Aktie am Dienstag um fast 8% zu. Von negativen Währungseffekten ebenfalls ausgebremst wurde Givaudan. Die Einnahmen des Aromen- und Duftstoffherstellers sanken um 5.2% auf 1.9 Milliarden Franken. Weniger Umsatz, dafür einen deutlich höheren Auftragseingang vermeldeten Comet und VAT. Für 2026 geben sich beide Halbleiterzulieferer optimistisch. Seine Jahresziele erhöht hat nach einem überraschend starken ersten Quartal der Chiphersteller ASML. Angepeilt ist neu ein Umsatz von 36 bis 40 Milliarden Euro, zuvor waren es 34 bis 39 Milliarden Euro. Der fusionierte Versicherungskonzern Helvetia Baloise meldete derweil für 2025 einen Gewinn von knapp über1 Milliarde Franken. In Zukunft möchte das Unternehmen profitabler werden. Dass damit ein Abbau von bis zu 2’600 Arbeitsplätzen einhergeht, interessierte an der Börse angesichts der Ankündigung eines geplanten Dividendensprungs nicht. Für eine Enttäuschung sorgte Barry Callebaut. Der weltgrösste Schokoladenhersteller leidet unter der Zurückhaltung der Konsumenten und Lieferkettenproblemen. Zwischen September und Februar schrumpfte der Absatz um 6.9% auf gut eine Million Tonnen. Infolgedessen hat das Unternehmen seine Jahresziele gekappt.
Goldman Sachs verzeichnete in den Monaten Januar bis März mit einem Gewinnsprung von 18% das beste Quartalsergebnis seit fünf Jahren. Getragen wurde dieses vom Aktiengeschäft und den Gebühren im Investmentbanking. Der Anleihehandel schwächelte. Auch J.P. Morgan hat von den volatilen Börsen profitiert: Umsatz und Gewinn zogen kräftig an. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten betonten beide Institute aber die Bedeutung eines disziplinierten Risikomanagements. Die Zinssenkungen der US-Notenbank Fed belasteten indes die Zinsmargen bei Wells Fargo. Der Nettogewinn kletterte zwar von 4.9 auf 5.3 Milliarden US-Dollar, die Analysten hatten aber ein deutlicheres Plus prognostiziert. Die Aktien aller drei Finanzhäuser reagierten auf die Zahlenkränze mit Abschlägen, was zeigt, dass gut nicht mehr zwingend gut genug ist. Die Markterwartungen klar geschlagen haben dagegen Morgan Stanley und Citigroup. Ihr Gewinn schoss im ersten Quartal um 30% respektive 42% nach oben. Den Investoren gefiel das.
Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind wegen des Nahost-Konfliktes für die globale Konjunkturentwicklung pessimistischer geworden. Dieses Jahr rechnen sie neu mit einem Wachstum von 3.1%. Im Januar lag die Prognose bei 3.3%. Zugleich geht der IWF davon aus, dass sich dieses mittelfristig selbst bei einem raschen Frieden unter dem Mittel der Jahre 2000 bis 2019 (3.7%) einpendeln dürfte.
Auf der Agenda
Schweizer Berichtssaison
Kommende Woche rapportieren unter anderem der Industriekonzern ABB, der Logistiker Kühne + Nagel sowie der Bankensoftware-Hersteller Temenos zum Geschäftslauf im ersten Quartal.
Aluminiumpreis auf Vierjahreshoch
Mit über 3’600 US-Dollar pro Tonne ist Aluminium so teuer wie zuletzt im Jahr 2022. Grund sind Produktionsausfälle in der Golfregion. Zudem verteuert der hohe Ölpreis die energieintensive Herstellung des Industriemetalls.
Politische Morgenröte in Budapest
Wechselkursentwicklung HUF/EUR, multipliziert mit 100
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Nach 16 Jahren im Amt ist Viktor Orbán als ungarischer Ministerpräsident abgewählt. Seine Nachfolge tritt der pro-europäische Oppositionelle Péter Magyar an. Viele Anlegerinnen und Anleger erwarten, dass sich unter diesem die Beziehungen zur Europäischen Union (EU) verbessern und in der Folge vermehrt Kapital ins Land fliesst. Das dürfte zum einen Ungarns Wirtschaft ankurbeln, zum anderen Europa als Ganzes stärken. Entsprechend beflügelt der politische Machtwechsel in Budapest die Landeswährung: mit 0.28 Euro kosteten 100 Forint so viel wie zuletzt im Jahr 2022.